Autor:
Verlag:
Rowohlt Taschenbuch, Reihe: Rowohlt Jahrhundert
Jahr:
1988
Seitenzahl:
880
ISBN:
9783499400285
Medium:
Taschenbuch
Sprache:
Deutsch
Zustandsbeschreibung
Gut. Ungelesen mit einigen Lagerspuren. Ecken bestupst, am Schnitt etwas angestaubt.
Artikelbeschreibung
Ägyten, 11 .Jahrhundert v. Chr.: Während der junge Ramses an einem Feldzug gegen die Libyer teilnimmt, stirbt sein Vater. Die Schwierigkeiten, in denen sich Thronfolger und Staat befinden, sind gewaltig: Ägypten steht am Rand des Bankrotts, im Volk wächst die Verdrossenheit. Ramses begreift, daß nur einschneidende Reformen den Untergang des Reiches verhindern können. Der Kampf mit den allgewaltigen Priestern beginnt: Der religiöse Eiferer Mephres und der machiavellistische Hohepriester Herhor verweigern ihm die Tempelschätze. Den todesmutigen Versuch eines seiner Getreuen, in das Labyrinth der Schatzkammer einzudringen, nutzen die Priester für eine Revolte gegen Ramses. Es gelingt ihnen, eine Sonnenfinsternis als Gottesgericht zu deuten und so die Unwissenden in Angst und Schrecken zu versetzen. Ramses verliert die Unterstützung durch Volk und Armee und unterliegt Herhor, der eine neue Dynastie ausruft: mit Reformen, wie sie Ramses geplant hatte.
Unter dem Einfluss seines Bruders Leon beteiligt sich der sechzehnjährige Aleksander Glowacki, der sich als Schriftsteller Boleslaw Prus nennen wird, 1863/64 am polnischen Aufstand gegen die zaristische Fremdherrschaft. Die Erhebung scheitert und stürzt eine ganze Generation in eine tiefe seelische Krise; in den folgenden Jahrzehnten beschränkt sich der Kampf der Polen um ihre nationale Identität auf die Pflege der Sprache und Kultur. Das Erlebnis der Niederlage politisiert auch Prus’ Denken nachhaltig. Nachdem er sich als Journalist einen reichen sozialen Erfahrungsschatz erworben hat, gelingt es ihm, in Erzählungen und Novellen, vor allem aber in den Romanen «Die Puppe» (1887/89) und «Die Emanzipierten» (1890/93) individuelle Schicksale mit den Geschicken des Landes zu verknüpfen. Mit diesen Erzählwerken von überragender Bedeutung begründet er in der polnischen Literatur den modernen Gesellschaftsroman.
«Pharao» (1895/96) beansprucht in Prus’ Schaffen eine Sonderstellung: es ist sein einziger historischer Roman. Oberflächlich betrachtet erinnert das Werk an den sogenannten archäologischen Roman, wie ihn in Deutschland beispielsweise Georg Ebers mit «Eine ägyptische Königstochter» (1864) und «Uarda» (1877) oder Felix Dahn mit «Ein Kampf um Rom» (1876) pflegten. Der entscheidende Unterschied zwischen jenen schreibenden Gelehrten und Prus besteht darin, daß Prus nicht nur historische Fakten ausbreitet, sondern eine geschichtsphilosophische Idee vertritt: «Pharao» steht in der von Morus, Bacon und Campanella bis zu Haller und Wieland reichenden Tradition des europäischen Staatsromans, mit der er zugleich bricht: Prinzenerziehung ohne Präzeptor als Sprachrohr des Autors; kein Entwurf eines Idealstaates, sondern Darstellung von Politik schlechthin; Ägypten ist das zaristisch beherrschte Polen, das sich hinter dieser Maske, dem antiken Rahmen des klassischen Staatsromans, vor der Zensur verbirgt. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern fühlt sich Prus als Realist jedoch stärker zu kulturhistorischer Genauigkeit verpflichtet: Staatsroman und historischer Roman, wie ihn das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat, verschmelzen hier zum erstenmal zu einem qualitativ neuen Typus.
Unter dem Einfluss seines Bruders Leon beteiligt sich der sechzehnjährige Aleksander Glowacki, der sich als Schriftsteller Boleslaw Prus nennen wird, 1863/64 am polnischen Aufstand gegen die zaristische Fremdherrschaft. Die Erhebung scheitert und stürzt eine ganze Generation in eine tiefe seelische Krise; in den folgenden Jahrzehnten beschränkt sich der Kampf der Polen um ihre nationale Identität auf die Pflege der Sprache und Kultur. Das Erlebnis der Niederlage politisiert auch Prus’ Denken nachhaltig. Nachdem er sich als Journalist einen reichen sozialen Erfahrungsschatz erworben hat, gelingt es ihm, in Erzählungen und Novellen, vor allem aber in den Romanen «Die Puppe» (1887/89) und «Die Emanzipierten» (1890/93) individuelle Schicksale mit den Geschicken des Landes zu verknüpfen. Mit diesen Erzählwerken von überragender Bedeutung begründet er in der polnischen Literatur den modernen Gesellschaftsroman.
«Pharao» (1895/96) beansprucht in Prus’ Schaffen eine Sonderstellung: es ist sein einziger historischer Roman. Oberflächlich betrachtet erinnert das Werk an den sogenannten archäologischen Roman, wie ihn in Deutschland beispielsweise Georg Ebers mit «Eine ägyptische Königstochter» (1864) und «Uarda» (1877) oder Felix Dahn mit «Ein Kampf um Rom» (1876) pflegten. Der entscheidende Unterschied zwischen jenen schreibenden Gelehrten und Prus besteht darin, daß Prus nicht nur historische Fakten ausbreitet, sondern eine geschichtsphilosophische Idee vertritt: «Pharao» steht in der von Morus, Bacon und Campanella bis zu Haller und Wieland reichenden Tradition des europäischen Staatsromans, mit der er zugleich bricht: Prinzenerziehung ohne Präzeptor als Sprachrohr des Autors; kein Entwurf eines Idealstaates, sondern Darstellung von Politik schlechthin; Ägypten ist das zaristisch beherrschte Polen, das sich hinter dieser Maske, dem antiken Rahmen des klassischen Staatsromans, vor der Zensur verbirgt. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern fühlt sich Prus als Realist jedoch stärker zu kulturhistorischer Genauigkeit verpflichtet: Staatsroman und historischer Roman, wie ihn das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat, verschmelzen hier zum erstenmal zu einem qualitativ neuen Typus.
Schlagworte
Polnische Literatur
Kategorie
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